Das war unsere Fahrradtour ans Meer 2025
Was lange geplant war, wurde am 11.08.2025 wahr: 6 Kinder und 6 Erwachsene starteten als Gruppe im Rahmen des partizipativen Fahrradprojekts „Nasse Socken am Brocken“ auf ihre knapp zweiwöchige Radtour.
Mit Schlafsack, Isomatte und Zelt bepackt kamen Eltern und Kinder am frühen Mittag auf den Abenteuerspielplatz, wo bereits fleißig Materialien und Ausrüstung in das Begleitfahrzeug geräumt wurden. Viel Zeit zum Verabschieden bleib nicht, denn die Gruppe musste ihren Zug bekommen. Um die Hügellandschaft des Teutoburger Waldes zu umfahren, ging es mit diesem am ersten Tag nach Lingen.
An diesem ersten Abend im „Kanu Camp Lingen“ stellte die Gruppe gemeinsame Regeln und Rahmenbedingungen auf. So entwickelten sich Koch- und Spüldienste, sowie Aufräumdienste oder die beliebte Aufgabe, einkaufen zu gehen. Die Kinder wünschten sich zur Verwunderung der Teamer*innen Schlafenszeiten von 22:00 – 7:00 Uhr, die freudig angenommen wurden. Die erste Nacht verlief ruhig.
Der nächste Tag sollte früh beginnen, denn es kündigte sich heißes Wetter an. Die ersten Versuche, Zelte abzubauen und Schlafsäcke aufzurollen verliefen noch holprig, doch die Aussicht auf viele weitere versuche in den folgenden Tagen schaffte Hoffnung. Auf dem Weg zum nächsten Campingplatz- der Naturcampingplatz in Haselünne- hielt die Gruppe an einem großen Badesee an. Auch am Campingplatz selbst bot die Hase grandiose Abkühlungsmöglichkeiten. Nach dem Abendbrot bot der Himmel ein wahres Spektakel: wir befanden uns mitten im August und damit in den Sternschnuppennächten. Hier und da versuchten Kinder wach zu bleiben. Der eine oder die andere schliefen dabei draußen ein.
Der nächste Tag sollte noch früher beginnen, denn der Wetterbericht kündigte den heißesten Tag der Tour an. So standen alle um 6:00 Uhr auf, frühstückten und packten ihre Ausrüstung ein. Mit einer überraschenden Schnelligkeit erreichte die Gruppe bereits am frühen Mittag den „Bockholter Beete Biohof“ in Meppen. Nachdem alle zelte aufgebaut waren, rettete sich die Gruppe an einen Badesee in der Nähe, denn die Schafswiese auf der übernachtet werden sollte, stand in der Mittagssonne. Erst am Abend- als es endlich etwas kühler wurde und sich langsam der Hunger einschlich, ging es zurück auf die Schafswiese. Hier machte sich zum ersten Mal seit Beginn der Tour Müdigkeit breit und die Kinder sehnten einen Pausentag herbei. In dieser Nacht schliefen alle tief.

Mit dem Anbruch des nächsten Tags sollte dieser Pausentag greifbar werden- doch dafür musste die Gruppe erst nach Dörpen fahren. Dort konnten sie auf einem Jugendzeltplatz zwei Nächte verbringen, Wäsche waschen, Pause machen und spielen. Abends gab es ausgedehnte Runden „Werwolf“ am Feuer und ein Draußenkino.
Außerdem wurde die Gruppe vor eine Herausforderung gestellt: ein Rollentausch. Für einen Vormittag tauschten Kinder und Erwachsene ihre Rollen. Hierbei wurden nicht nur unsichtbare Aufgaben sichtbar gemacht, sondern vor allem für das Miteinander und den gemeinsamen Umgang Grundsteine für die weitere Tour gelegt. Rückblickend steht dieser Vormittag für einen Wendepunkt in der Tour, da die Kinder durch den Rollentausch selbstständiger wurden und bereit waren, noch mehr an der Gestaltung der weiteren Tour teilzuhaben.
Am 16.08.2025 ging es dann weiter nach Papenburg. Auf dem Weg dorthin wurde die Gruppe zum ersten Mal mit Gegenwind konfrontiert. Es wurde langsam spürbar: die Nordsee ist nicht mehr weit. Auf dem Campingplatz stellten die Kinder mit Begeisterung fest, dass es einen Badesee gibt. Dieser wurde – trotz eher bedecktem Wetter- gern und lange in Anspruch genommen. Abends wurde das Bergfest mit einer großen Pizzabestellung gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt lag die Hälfte der Tour bereits hinter der Gruppe.
Der nächste Morgen weckte die Gruppe mit Nieselregen- das sollte aber der einzige Regen auf dieser Tour bleiben. Nach dem Frühstück ging es weiter Richtung Weener in Ostfriesland. Hier konfrontierte starker Gegenwind das ein oder andere Kind. All das war aber vergessen, als die Gruppe auf dem Weisemilchhof Meyer ankam, auf dem es viel zu entdecken gab. Auf dem Hof mit Biolandwirtschaft und einer große Heuscheune war die Gruppe umgeben von Katzenbabys, Hühnern und 4 Tage alten Kälbern. Nach dem Abendessen beschließt die Gruppe gemeinsam, die Tour umzuplanen und bereits einen Tag früher als geplant in Krummhörn anzukommen, um noch einen Pausentag einzulegen. Die Tour am Folgetag wuchs damit auf 42km- die längste Tour der Route.
Einige Kinder waren besorgt um die Länge der dieser Tour, doch alle meisterten die 42km grandios! Mit einer Fahrradfähre überquerte die Gruppe die Ems und fuhr später sogar ein ganzes Stück auf dem Deich. Dabei kam recht schnell die erste Erkenntnis: das Wattenmeer ist gar nicht immer da. Diese Erkenntnis schmälerte die Begeisterung über den bereits gemeisterten Weg aber nicht: die Gruppe sah zum ersten Mal auf der Tour das Meer – ein magischer Moment.

Der Campingplatz in Krummhörn bestach durch freies W-Lan und Wassertoiletten. Hier verbrachte die Gruppe zwei Nächte, denn es stand ein nächster Pausentag an. Dieser startete mit einem Geburtstagsfrühstück für ein Kind und lautem Gesang für alle Menschen auf dem Campingplatz. Die letzten Tage der Tour zeichneten sich in einem großen Bedürfnis nach Pause und Kartoffelsalat ab, der über den Tag hergestellt und abends gemeinsam genossen wurde. An diesem Abend wurden bereits einige Leute aus der Gruppe wehmütig, denn am nächsten Tag stand die letzte Tour der Reise an: der Weg nach Norden. Es wurden Anekdoten und Geschichten der Tour erzählt und viel gelacht.
Was anfangs mühsam und mit dem ein oder anderen Frust einherging, war mittlerweile eine flüssige Routine geworden: die Kinder packten ihre Ausrüstung selbstständig und noch vor dem Frühstück zusammen und stapelten sie vor dem Begleitfahrzeug. Die Gruppe war spürbar und sichtbar miteinander vertraut, Abläufe waren eingeübt. Die letzte Tour verlangte der gruppe noch einmal einiges ab: der Weg nach Norden war gezeichnet von kilometerlangen Strecken, die geradeaus führten und jeder Menge Gegenwind. Mit vielen Snackpausen und einem kleinen medizinischen Zwischenfall erreichte die Gruppe entkräftet das Ziel. Die Stimmung war erst einmal am Tiefpunkt, die Gesichter geprägt von Müdigkeit und Gereiztheit. Erst mit der Aussicht auf einen Besuch im Schwimmbad lichtete sich die graue Wolke über der Gruppe. Beim Wettrutschen verabschiedete auch die letzte sich von der schlechten Laune und der Abend wurde mit Freude, Wohlwollen und Stolz über den geschafften Weg beendet.
Am letzten Tag in Norden brach die Gruppe früh auf, um am Strand zu frühstücken. Danach verabschiedete sich bereits einer der Teamer und die Videografin, welche die Gruppe die gesamte Tour über begleitet hatte. Die Kinder genossen es nach vielen Tagen in der Natur, durch Norddeich zu bummeln. Manche besuchten die Seehundstation, andere kauften kleine Mitbringsel. Zurück in Norden wurde gespielt und gekocht. Sehr bewusst machte die Gruppe ein letztes Mal den Abwasch, putze sich ein letztes Mal abends die Zähne und ging ein letztes Mal ins Zelt, um dort zu schlafen.
Am nächsten Morgen war die Ausrüstung der Kinder schnell gepackt, der Tisch schnell gedeckt und der Abwasch schnell gemacht. Die Gruppe war so eingespielt, dass sie beschloss, eine weitere Woche dranhängen zu können. Dennoch war die Freude, nach Hause zu fahren und die Familie wiederzusehen bei den Kindern groß.
Mit dem Zug ging es von Norddeich dann zurück nach Bielefeld, wo die Gruppe gegen Nachmittag den Bahnhof erreichte und dort mit lauter Musik und großem Jubel empfangen wurde. Auf dem Abenteuerspielplatz warteten Eltern und Geschwister bereits erwartungsvoll.
Sie empfingen Kinder, die in den vergangenen Tagen nicht nur äußerlich ein ganzes Stück gewachsen waren.
Mit einem warmen Gefühl verließen Kinder und Teamer*innen am späten Nachmittag den Abenteuerspielplatz- mit großer Freude auf das eigene Bett und dem Wissen, etwas Großes geschafft zu haben.

